Hochbegabung hat viele AusprägungenIn den letzten Jahren ist durch verschiedene Begabungsforscher, wie beispielsweise Prof. Robert Sternberg von der Yale University, Prof. Howard Gardner von der Harvard University, Prof. Joseph Renzulli von der University of Connecticut oder auch Prof. Kurt Heller von der Universität München, die Ansicht vertreten worden, dass die Disposition für eine Hochleistung viele verschiedene Faktoren beinhalten muss, die über den blossen Intelligenzquotienten weit hinausgehen.
Howard Gardner stellt fest, dass es nicht nur eine Intelligenz gibt, die mittels eines «Intelligenzquotienten» auf einfache Weise gemessen werden kann, sondern mindestens acht verschiedene: Sprachliche Intelligenz: Ein gut entwickelter Wortschatz, eine flüssige und präzise Ausdrucksweise. Logisch-mathematische Intelligenz: Frühes Interesse fürs Zählen und Rechnen, hohes Abstraktionsvermögen und eine ausgezeichnete logisch-abstrakte Denkfähigkeit. Musikalische Intelligenz: Frühes, deutliches Interesse am Singen, Musizieren, Komponieren. Visuell-räumliche Intelligenz: Frühes Interesse für Konstruktionsspiele, schwierige Puzzles, Malen und Gestalten. Bewegungsintelligenz: Ein hohes Ausmass an körperlicher Geschicklichkeit, Energie und Ausdauer. Soziale Intelligenz: Beziehungsfähigkeit, hohes Geschick zum Lösen von zwischenmenschlichen Konflikten und zur Kommunikation. Emotionale Intelligenz: Ein sehr feines Gespür für Gefühle bei sich und anderen, Fähigkeit zur Empathie. Naturalistische Intelligenz: Intensives Interesse für naturwissenschaftliche Fragen, für Experimente oder den Umgang mit Naturprodukten.
Das Konzept der drei Ringe von Renzulli Eine Hochleistung in irgendeinem Bereich ergibt sich aus dem Zusammenwirken von bereichsrelevanten, überdurchschnittlichen Fähigkeiten, einem hohen Mass an Kreativität und geistiger Flexibilität und vor allem einem weit überdurchschnittlichen Ausmass an Engagement (jahrelanges Durchhaltevermögen, Hartnäckigkeit und Motivation). Diese drei Hauptfaktoren drückt Renzulli durch drei sich überschneidende Ringe aus. Dazu kommen viele weitere Faktoren, wie das familiäre und schulische Umfeld, soziale und emotionale Kompetenzen, günstige äussere Umstände und vieles mehr.
Eine Hochleistung in diesem Sinne bezeichnet Renzulli als "kreative Produktivität". Derartige Hochleistungen werden in der Regel nicht ständig, sondern zu bestimmten Zeiten im Leben erbracht. Für eine solche Hochleistung braucht es oft keinen aussergewöhnlich hohen Intelligenzquotienten im Sinne der traditionellen Definition von Hochbegabung - sondern eben nur die bereichsrelevanten überdurchschnittlichen Fähigkeiten, beispielsweise in der Musik oder Mathematik.
Renzulli sieht die Aufgabe insbesondere der Schule, ein begabungsförderndes Umfeld zu schaffen, das den Ausdruck kreativer Produktivität schon bei Kindern und Jugendlichen anregt und ermutigt. Die Schule soll durch gezielte Anreize und die Möglichkeit zu eigenmotivierter Projektarbeit jungen Menschen helfen, "ihre drei Ringe zusammenzubringen".
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